Wettbewerb 1995

Vor allem die Tort' ging ihm gut von der Hand


Peter Mohr ist Bundessieger im Bäckerhandwerk

Mandelbachtal (maa). Normalerweise säße er heute wieder im Büro beim ABC-Abwehrbataillon in Zweibrücken, doch die Bundeswehr gab dem jungen Mann Sonderurlaub: Peter Mohr aus Ommersheim wurde gestern 1. Bundessieger im Bäckerhandwerk - und das gab's seit mehr als 20 Jahren im Saarland nicht mehr.
Entsprechend stolz ist natürlich die ganze Familie, die mitten in Ommersheim seit 1870 eine Bäckerei betreibt. Und so kommt der 21jährige Bundessieger aus einer alteingesessenen Bäckerfamilie "vom Gau". nicht etwa aus einer Modebäckerei aus der Landeshauptstadt. Und daß das Brot bei Mohrs schon immer gut war, wissen die Ommersheimer schon lange. Doch bevor Peter Mohr zum Bundesentscheid nach Weinheim reisen durfte, mußte er sich zunächst im Saarland nach oben schaffen: Er ist sowohl Landessieger im Konditorhandwerk als auch - seit einigen Wochen - im Bäckerhandwerk. 16 Landessieger waren zur Bundesfachschule in Weinheim gereist, und dann ging's am Montag morgen um 8 Uhr schon los: Bis 12 Uhr mittags mußte jeder Kandidat fünf Roggenmischbrote, 60 verschiedene Brötchen, 50 Plunderteilchen, 50 Blätterteigstückchen und eine Buttercremetorte gebacken haben. Und am Ende nicht etwa irgendwo hinfeuern, sondern noch schön auf dem Tisch arrangieren. Acht Mann aus acht Bundesländern rührten, mischten, kneteten und formten nebeneinander, während die Preisrichter gemächlich herumschritten und den jungen Leuten bei der Arbeit zusahen. Derzeit plagten sich die übrigen acht mit der theoretischen Prüfung Kam Peter Mohr arg ins Schwitzen? "Nä, aber die Zeit war schon knapp." Mit der Tort' am Schluß sei's ihm gut von der Hand gegangen, da habe er seine Konditor-Ausbildung schon gut gebrauchen können, gestand der Ommersheimer. Und sauber geschafft habe er auch.

Familie wußte es zuerst

Ein mehlbestäubter und teigverklebter Kandidat hat da wenig Chancen, schmecken seine Brötchen auch noch so gut. Am Dienstag morgen erfuhren die Eltern noch vor dem Sohn, daß er Sieger geworden war. Die Saar-Innung war so stolz, daß sie es gleich der Familie sagte, und die will heute im Geschäft "enner ausgenn". Am 1. Dezember darf Peter Mohr dann in Cottbus dem Bundespräsidenten die Hand schütteln, wenn bundesweit alle Sieger im Handwerk geehrt werden.
Saarbrücker Zeitung vom 15.11.1995